Sammlung und Benutzer der soziologischen Literatur in der zentralen Fachbibliothek für Soziologie. Bestandsanalysierung und Benutzerbefragung in der zentralen Bibliothek der Haupstädtischen Ervin Szabó Bibliothek. Einleitung

KARBACH Erika (pp. 425-426)

Vorhandensein der ausländischen soziologischen Fachliteratur in der Haupstädtischen Ervin Szabó Bibliothek

Júlía BÁNHEGYI

Im/Herbst 1995 fand eine zentral organisierte und gesteuerte Bestandsevaluierung im Rahmen des THEL-Programms (Textbook and Higher Education Libraries) statt. Das Ziel der Untersuchung war in einigen Wissenschaftsgebieten ein genaueres Bild über das Vorhandensein der fremdsprachigen Fachliteratur für Universitätsausbildung in den Bibliotheken zu geben. Die Hauptstädtische Bibliothek wurde als Landesfachbibliothek für Soziologie in die Untersuchung einbezogen. Die Evaluierung lief in zwei (in einer qualitativen und in einer quantitativen) Phasen ab. In der ersten Phase haben die Bibliotheken ihrem Sammelgebiet gemäss ihren Bestand mit Grundlisten verglichen. Die Liste der Kernliteratur der Soziologie wurde von der Abteilung Dokumentation der Soziologie der HB zusammengestellt. In der Sondersammlung (2352 Titel) gab es eine entsprechende Proportion zwischen klassischen und modernen Literatur, aber sprachlich betrachtet war die Überwicht der anglo-amerikanischen Literatur auffällig. Das Ergebnis des Vergleichs: es gibt 1161 Titel im Bestand (49,36 %). Sprachlich betrachtet: Englisch 71.55, Deutsch 18.46, Französisch 9.61 %. In der zweiten Phase wurde der Bestand statistisch analysiert, und zwar die Eingänge der letzten 15 Jahre untersucht; in dieser Zeit wurden 4890 Titel erworben: fast die Hälfte dieser Titel ist Englisch, jedes vierte Buch ist Deutsch, jedes zehnte Französisch. Unter die Bibliotheken, die die Literatur der Soziologie sammeln, hat die HB die besten Bestandwerte erreicht. Die Untersuchung machte es klar, dass – obwohl die HB keine Universitätsbibliothek ist – ihr Bestand sowohl in der Ausbildung, als auch in der Forschung genutzt wird. Zur Förderung ihres Bestandes und ihrer Dienstleistungen braucht aber die HB eine finanzielle Unterstützung aus zentralen Quellen. (S. 427-432)

Ausländische soziologische Kernzeitschriften in der Hauptstädtischen Ervin Szabó Bibliothek

Erika KARBACH

1995 wurde die Liste der soziologischen Kernzeitschriften in der Abteilung Dokumentation der Soziologie der Hauptstädtischen Bibliothek zusammengestellt. Die Studie untersucht die Aspekte und Quellen der Zusammenstellung, die Zusammensetzung nach Themen, Sprachen und Erscheinungsort, bzw. die Literaturversorgung mit soziologischen Zeitschriften zwischen 1981 und 1995 in Ungarn, und die herausragende Rolle der Hauptstädtischen Bibliothek, die sie als soziologische Landesbibliothek in der Bestellung von ausländischen soziologischen Fachzeitschriften spielt. (S. 425-426)

Über die Benutzung und Benutzer der soziologischen Bestandsteile der HB

BÍRÓ Józsefné – POZSÁR István

Die Studie berichtet über eine Untersuchung, die die Benutzung des Bestandes und des Lesesaals für Soziologie sondierte. Es wird auf die Darstellung der numerischen Tatsachen und Zusammenhänge konzentriert und das Thema aus drei Aspekten erleuchtet: 1) die Rolle der untersuchten Bestandsteile in Zusammenhang mit dem gesamten Dokumentenverkehr, 2) die Parameter der benutzten Dokumente und 3) die Zusammensetzung der Benutzer. Es erweist sich, dass die Universitäts- und Hochschulstudenten die Mehrheit der Benutzer ausmachen (61 – 82%) und die professionellen Soziologen nur mit 9 % Prozent anwesend sind. Die Mehrheit der Benutzer wohnt in Budapest, aber die Zahl der Leser aus der Provinz ist auch bedeutend (6-21 %). Die Studie befasst sich noch mit der Analyse der Affinität zwischen den verschiedenen Dokumententypen und Lesergruppen. (S. 439-449)

Rollenwechsel der Bibliotheken (1985-1996)

Judit LŐRINCZ

Es werden in der Studie die in der Buchproduktion und im Verlagswesen nach der Wende vollgezogenen Veränderungen geschildert. Die Erhebung wurde am Beispiel von fünf Landesfachbibliotheken (darunter der HB) mit den Änderungen ergänzt, die wegen der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Umgestaltung in der Neufassung und Neuüberlegung von Aufgaben der Bibliotheken eine wichtige Rolle gespielt hatten. Die Voraussetzungen für die Tätigkeit der Bibliotheken wurden wegen der finanziellen Schwierigkeiten schlimmer, während ihre Funktionen erweitert werden sollten, sich den neuen Erwartungen und Herausforderungen angepasst. Einer der grössten beruflichen Mangel steckt in der Unzulänglichkeit des Etats, und dadurch werden die laufende Erwerbungstätigkeit und die darauf gebaute Dienstleistungen geschadet. Die Bibliotheken konzentrieren vor allem auf die Ansprüche der Benutzer, und erweitern ihre Informations- und Dienstleistungsfunktionen. Die Öffentlichen Bibliotheken sind gezwungen, neben der traditionellen und kommunalen Informationsversorgung auch soziale Hilfsfunktionen auszuüben, und diese Tatsache wird auf längere Zeit auf die Neuformulierung der Rolle der Bibliothekare auch auswirken. (S. 450-465)

Der sogenannte Matthäus-Effekt in der Leseund Bibliotheksoziologie

Ferenc GEREBEN

Im Laufe der Erhebung, die im Kreis der Erwachsenen über 18 Jahren abgewickelt war, wurde es klar, dass ungefähr 500.000 Mitglieder der Bevölkerung praktisch nichts lesen; sie sind hauptsächlich ungeschulte, im östlichen Teil des Landes lebenden, gesellschaftlich und sozial gehandikapten Menschen. Die Ausrüstung der Haushalte wird auch von der Familienstruktur und von dem Gesundheitszustand beeinflusst. Die wohl ausgestatteten Voll-Familien, wo die Erwachsenen gesund sind, haben eine grössere Interesse für das Lesen, als die anderen. Das Prinzip “wer da hat, dem wird gegeben, … wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen”, das nach der biblischen Quelle vom Autor “MatthäusEffekt” genannt wird, gilt auch für die kulturellen und Lesegewohnheiten. Eben deshalb müssen sich die Bibliothekare mit besonderer Aufmerksamkeit mit den Benutzern (oder Nicht-Benutzern) beschäftigen, die sich gesellschaftlich-sozial in ungünstiger Lage befinden. (S. 466-475)

Modernisierung: Giobalisation oder Amerikanisation? (Änderungstendenzen in den Lese- und Bibliotheksbesuch-gewohnheiten in Ungarn

Attila NAGY

Mit einem gesellschaftlichen Hintergrund schildert der Autor die Wirkung der sich in Ungarn nach der Wende entfaltende Marktverhältnisse auf das Verlagswesen und auf die Veränderungen der Lesegewohnheiten. Die Wahl der publizierten Werke erhöhte sich, während die Exemplarenzahlen radikalerweise sanken, wobei noch der Kaufkraft der Leser wegen der steigenden Buchpreise zurückfiel. Unter den Kinderbüchern vermehrten sich die reich illustrierten populärwissenschaftlichen Bücher, während die Wahl in klassischen Märchenbänden schwächer wurde. Nach den Zeitwaageuntersuchungen verminderte sich der Zeitaufwand, den man mit der Tätigkeit des Lesens zubrachte: man liest etwa 10 bis 20 Minuten pro Tag (vom Beruf und Geschlecht abhängig), aber man bevorzugt die Unterhaltungsliteratur. Das Leseverständnis der Jugendlichen zwischen dem neunten und achtzehnten Lebensjahr sank mit etwa 20 Prozent. Die neuesten Untersuchungen zeigen, dass die Befragten hauptsächlich die praktischen, sofort anwendbaren Kenntnisse und die romantischen, von der Realität abweichenden Geschichten bietenden Lektüren suchen. Die Anzahl der gelesenen ungarischen Schriftsteller liess nach, in der führenden Position liegen die amerikanischen Bestsellerautoren. Die Mehrheit der Bibliotheksbenutzer besteht aus der Altersklasse von unter 40 Jahren, in erster Linie aus Studenten und aus Erwachsenen, die an irgendeiner Ausbildung teilnehmen. Die Veränderung der Gewohnheiten der Bibliotheksbesucher zeigt, dass die Kennziffer der Ausleihe stark nachliessen, die Zahl der bestellten Xeroxkopien stieg, und die schnellen, praktischen Informationen sehr gefragt sind. Es ist zu bedauern, dass die Arbeiter und Facharbeiter fast kaum im Kreis der Bibliotheksbenutzer zu finden sind.
Nach diesem Überblick ist die im Titel gestellte Frage besonders aktuell: Wie kann man über die Modernisierung der Gesellschaft sprechen, wenn sich diese Modernisierung nur auf die Erschaffung der parlamentarischen Demokratie und auf die Gestaltung der Marktwirtschaft beschränkt, und wenn mit diesen paralell kein solider, starker Mittelstand entsteht, der sich durch seine bürgerliche Kultur, Werte und Denkweise, durch sein bürgerliches Gewohnheitsystem erkennbar ist. (S. 476-484)

Die Lesekultur der zwei Jahrhunderte nach Mohacs (1526) im Karpatenraum

István MONOK

In der Studie werden drei Themen analysiert: 1) die Quellen und die Forschungstätigkeit der Lesekultur in der angegebenen Zeitspanne, 2) die Ergebnisse des bearbeiteten Quellenmaterials und 3) die Datenbank, die den heutigen Stand der Erschliessung des Quellenmaterials darstellt. Im Laufe der 1980 in Szeged begonnenen Grundforschung wurden die Ergebnisse und Mangel der historischen Leserforschung unter die Lupe genommen. Nach der Erschliessung der Archive und verschiedener Manuskriptensammlungen wurden die Quellen mit bibliographischen Daten der Nationalbibliographie und mit Possessorenvermerken von alten Büchern und Manuskripten ergänzt. Im zweiten Teil werden jene Fragen der historischen Leserforschung behandelt, die in der ungarischen Fachliteratur noch immer nicht in dem Vordergrund stehen: die Geschichte der Lesestoffe als Geschichte der Übernahme der europäischen Ideenströmungen, die Entstehung der Gesellschaftsbibliotheken, die Unterschiede im Lesematerial der verschiedenen Gesellschaftsschichten und -gruppen, die Frage der Muttersprache in den publizierten und gelesenen Büchern. Es wird die Datei EURIDITIO vorgestellt, die den Zugriff zu diesen Forschungsergebnissen über das WWW ermöglichen wird. (S. 485-498)

Eine neue Bibliothek in einem neuen Gebäude. Veränderungen der Bezirksbibliothek Katona József in Kecskemét

Mária RAMHÁB

Von ihrer Gründung an funktionierte die Bezirksbibliothek im Rathaus der Stadt Kecskemét (100 Kilometer von Budapest entfernt) auf einer ungefähr 500 Quadratmeterfläche. Wegen des Raummangels mussten die Magazine in verschiedenen Räumen in der Stadt untergebracht werden, das die Benutzung der Bibliothek ziemlich erschwerte. 1984 fiel die Entscheidung ein selbständiges Gebäude zu bauen, dessen Plandokumentation erst 1989 fertiggestellt wurde. Der Bezirksrat sonderte die finanziellen Quellen dafür ab, und schuf später eine Stiftung zur Unterstützung des Aufbaus eines neuen Bibliotheksgebäude. Inzwischen bewilligte auch das Parlament den Antrag der Stadt zum Neubau. Die Arbeiten dauerten von 1993 bis 1996. Das Gebäude hat zwei Stockwerke mit Rahmenausbau. Im Erdgeschoss, in der lauteren Zone, befinden sich die Abteilungen. wo sich die Leser in grösserer Anzahl bewegen, und wo die schnelleren Dienste geleistet werden, während nach oben steigend sind die Räume zur vertieften Arbeit zu finden. Die Innenarchitektur fügt sich an die allgemeine Atmosphere der Bibliothek: die kühnen Farben (lila, türkis und grün) deuten an, dass sich hier um eine Institution mit vielfältigen Dienstleistungen handelt. Es gab einen guten Beispiel für die Zusammenarbeit der Bürger, als die in Kecskemét lebenden Künstler zur Dekoration der Gebäude einige ihrer Kunstwerke an die Bibliothek spendeten. Die Verteidigung der Dokumente wird durch das 3M-System gesichert, das integrierte KomputerNetzwerk stammt von OLIB (früher Oracle Libraries). Die Bibliothek baut gemeinsam mit der Stadtbibliothek den Informationsverbund der Bezirksbibliotheken aus. Zur Erfüllung der neuen Aufgaben und Dienstleistungen in diesem neuen Gebäude konnte die Leitung die Personalzahl mit 50 Prozent erhöhen. Die Verwaltung der strukturellen und organisatorischen Veränderungen ist durch das dreijährige Förderungsprogramm des British Council (es ist noch im Gange) unterstützt, an dem jeder Mitarbeiter der Bibliothek – je nach Aufgabenteilung – teilnimmt. Diese sowohl in der Ausstattung, als auch in der Architektur modellwertige Bibliothek soll diesen Eindruck mit ihrer Tätigkeit und durch ihre Dienstleistungen in der Zukunft bestätigen/erfüllen/. (S. 499-514)

Über das neue Gebäude der Bezirksbibliothek Katona József in Kecskemét

István PAPP

Es wird die abenteuerliche Baugeschichte der Bibliothek, die von Anfang an in einem engen Raum untergebracht war, von einem Autor geschildert, der in der ersten Phase der Ausarbeitung der fachlichen Programme eine aktive Rolle spielte. Ein neues Bibliotheksgebäude wurde schon am Ende der 70er Jahre geplant, aber erst nach einigen Jahren wurde das Wettbewerb zur Planung einer Bibliothek ausgeschrieben. Die frühere Konzeption der Bibliotheksarchitektur in der Welt bevorzugte die grossen flexiblen Räume, aber es ist schon heute klar geworden, dass man dieses Prinzip nur bis zu einer bestimmten Grenze folgen darf. Die Kecskeméter Bibliothek gehört – neben der äusseren und inneren Schönheit des Gebäude – auch funktional betrachtet zu den gelungensten Bibliotheken. Der Autor äussert sich anerkennend in seinem wegen persönlichen Betroffenheit subjektiven Rückblick über das Gebäude und über die Bemühungen der Kollegen, die an diesem Projekt teilnahmen. (S. 515-518)

Ausblick

Aus der neuen Literatur der Bibliotheksstatistik. Themendokumentation.

KÖVENDI Dénes (S. 519-532)

CALABRESI, Maria P.: Bibliothekswesen in Malta.

(Rez.: Mohor Jenő) (pp. 533-534)

VOLPATO, Giancarlo: Bibliothekswesen in Lituaen.

(Rez.: Mohor Jenő) (pp. 535-536)

KATUSCAK, Dusan: Neue Entwicklungen im slowakischen Bibliothekswesen.

(Rez.: Mohor Jenő) (S. 537-540)

Europäische Nationalbibliotheken und das COBRA Forum des EU Bibliotheksprogramms. LEHMANN, Klaus-Dieter: The European National Libraries and the COBRA Forum of the EU Libraries Program.

(Rez.: MOHOR Jenő) (S. 540-545)

Buchbesprechungen

Erfolgsfaktoren bei den gebührenpflichtigen Dienstleistungen.
WORMELL, Irene: Success factors for fee-based information services.

(Rez.: Bobokné Belányi Beáta) (S. 547-550)

Auskunft und Bestandsentwicklung im Internet. THOMSEN, Elisabeth: Reference and collection development on the Internet.

(Rez.: Halasiné Wittinghof Judit) (S. 551-553)

Verlagswesen, Buchkunst, Gesellschaft
SZIJ Rezső: Könyvkiadás, könyvművészet, társadalom.

(Rez.: Nagypál László) (S. 554-556)

Auswahl aus den Neuerwerbungen der Fachbibliothek für Bibliothekswissenschaft

(S. 557-562)

Aus ausländischen Zeitschriften (Referate)

(S. 563-653)