AUFSÄTZE

Der Bibliothekar und seine Zeit. Zum Porträt des Bibliothekspolitikers Ervin SZABÓ

KATSÁNYI Sándor

Die Studie beschreibt von den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts bis 1914 den Werdegang der Ideen von Ervin Szabó (1877-1918), dem ehemaligen Direktor der Hauptstadt-Bibliothek Budapest. Die ersten Jahre nach der Jahrhundertwende waren optimal für die Gründung einer grossen öffentlichen (public-library-artigen) Stadtbücherei. Szabó sympathisierte damals noch nicht mit den bürgerlichen Ansichten, er hatte mehr Vertrauen zu den Anregungen der organisierten Arbeiterklasse. Später, als er schon mit den Vertretern des einheimischen bürgerlichen Radikalismus’ befreundet war, hatten sich bei ihm flexiblere bibliothekspolitische Ansichten herausgebildet.

Die Einführung des Public Library-Modells wurde in Ungarn schon mehrmals versucht. Nach den Misserfolgen wurde aber klar, dass eine öffentliche Bibliothek mit grösster Wahrscheinlichkeit nur in Form einer öffentlichen Hauptstadt-Bücherei ins Leben gerufen werden könnte. 1910 wurde ein Vorschlag über eine in Budapest aufzubauende öffentliche Bibliothek an den Stadtrat von Budapest eingereicht, den Ervin Szabó begutachtete und befürwortete. Die Hauptfrage war nur, ob die Bürger von Budapest für die Finanzierung öffentlicher Bibliotheken gewonnen werden konnten, wie die Bürger der angelsächsischen Länder.

Szabó schrieb über den Plan eines Bibliotheksnetzes in Budapest: man sollte in der Hauptstadt überall Zweigstellen haben, wo sich die kleineren Bibliotheken nach Möglichkeit freiwillig dem Netz anschliessen konnten. Diese Idee wurde nicht verwirklicht; es tauchte eine andere Lösungsmöglichkeit auf, es wurde nämlich die Gründung von Büchereien durch Spenden initiiert. Mit Hilfe der Spende von der Freimauer-Loge Deák entstand die Zweigbibliothek am Almássy-Platz, aber dieser Versuch wurde später nicht fortgesetzt.

Die Stadtführung stellte die Ausgestaltung eines Zweigbibliothekennetzes im Rahmen der damals entwickelten sozialen Einrichtungen vor, aber Szabó missbilligte diese Konzeption. Mit vielen Schwierigkeiten entstand endlich die Zentralbibliothek, und später noch einige Zweigbibliotheken. Als die neue Hauptstadt-Bibliothek schon im Bau war, wurde die Neukonzipierung des Bibliothekswesens von Budapest nötig: Szabó schlug eine rationelle Kooperation unter den Grossbibliotheken durch Abgrenzung der Sammelgebiete vor: es sollte die geplante öffentliche Stadtbibliothek die gesellschaftswissenschaftliche Fachliteratur, die älteren Bibliotheken aber Humaniora sammeln. Die Direktoren der wissenschaftlichen Bibliotheken unterstützten aber diesen Vorschlag nicht. Es gab auch einen Disput zwischen Szabó und diejenigen, die lieber die Schulbibliotheken fördern wollten, während er die Literaturversorgung der Jugendlichen durch Zweigbibliotheken zu lösen gedachte. Später veränderte sich Szabós Meinung ein wenig in dieser Frage. Er wurde stets wegen der radikalen politischen und soziologischen Fachliteratur im Bestand der Hauptstadt-Bibliothek angegriffen.

Es war für seine Denkweise typisch, dass er aufgrund seiner liberal-bibliothekspolitischen Grundsätze ein breites Feld für sozialistisch-liberale Ideen im Bibliotheksbestand zuliess, während er als Politiker ganz anderer Meinung war.

Über die Verwirklichung eines Ungarischen Verbundkatalogisierungszentrums

BAKONYI Géza

Obwohl mehrere Projekte schon die Verbundkatalogisierung in Ungarn erzielten, gelang es bisher nicht, ein funktionierendes System aufzustellen. Eines der bedeutendsten Programme ist das sog. MOKKA-Projekt (Magyar Országos Közös Katalogizálás = Ungarische Verbundkatalogisierung), bei dem schon der Verbundkatalog und eine Test-Version des Systems verwirklicht wurden. Ein weiteres Programm ist das VOCAL-System der Corvina-(früher Voyager-) Anwender. Das dritte Programm ist das Amicus-System der Széchényi-Nationalbibliothek, das 2001 in Betrieb genommen wurde. Neben den erwähnten gibt es weitere, kleinere Verbundsysteme (z.B. Theca der TinLib-Anwender, der Verbundkatalog kirchlicher Bibliotheken, die Kooperation KözelKat oder die Zusammenarbeit der OLIB- und ALEPH-Anwender).

Eine zusammenfassende Tabelle zeigt die wichtigsten Merkmale der drei grossen Verbundsysteme MOKKA, VOCAL, Amicus (zB. die Anzahl der teilnehmenden Bibliotheken, Anzahl der bibliographischen Einträge, Authority-Datensätze, Anzahl der erschlossenen Dokumente, Software, Hardware, Suchoberflächen, Dubletten-Kontrolle, Daten-Austauschformate, Anzahl der abladenden Bibliotheken usw.). Bei der Analyse der Daten werden die neueren Entwicklungstendenzen des einheimischen Bibliothekswesens beschrieben, die die Bestrebungen der Bibliotheken zum Ausbau einer Verbundkatalogisierung stärkten, um die einmal im System befindlichen Datensätze übernehmen zu können. Man nimmt in Ungarn die Literaturversorgung durch Fernleihe gern in Anspruch, aber diese Funktion kann zur Zeit nur das Bibliotheksverbund VOCAL wahrnehmen.

Der Ausbau einer einheitlichen Verbundkatalogisierung in den staatlichen Bibliotheken steht noch an. Eine der grössten Schwierigkeiten bedeuten die verschiedenen MARC-Formate. Die Nationalbibliothek und die Szabó Ervin Hauptstadt-Bibliothek benutzt HunMARC, die Mehrheit der Universitäts- und Hochschulbibliotheken arbeiten aber mit USMARC, das aber von dem Standard-USMARC der MOKKA abweicht, obwohl es den Ansprüchen der VOCAL-Benutzer entspricht.

Das Konzept von MOKKA soll wieder überdacht werden: es soll untersucht werden, ob die Datensätze der teilnehmenden Bibliotheken in einer zentralen Datenbank, oder besser in einem virtuellen Katalog gesammelt werden sollten, der aus den Datensätzen der drei grossen Systeme bestehen könnte. Auch die Verdoppelung der Austauschformate soll gelöst werden.

Die Studie beschreibt ein mögliches Weiterentwicklungsprogramm.

Die Benutzeroberfläche der Verbundkataloge in dem World Wide Web

KARÁCSONY Gyöngyi

Die erste Generation der OPACs war ihrem Wesen nach eine maschienenlesbare Variante der Zettelkataloge mit gleichen Datensätzen und Suchmöglichkeiten. In der Mitte der 80er Jahre erschien die zweite Generation der OPACs mit Schlagwortsuche und mit Anwendung Boole’scher Operatoren; ab der zweiten Hälfte der 90-er Jahre sind aber die WWW-Kataloge als Ergebnis der Entwicklung von Netzwerken kennzeichnend. Der Vorteil dieser gegenüber den vorangehenden Generationen ist, dass sie auch graphische Instrumente haben und die Möglichkeiten des World Wide Web (Hypertext) ausnutzen. Der Begriff des Katalogs erweiterte sich, denn dieser gibt nicht bloss über den Bestand einer Bibliothek Auskunft. Der Autor beschreibt aus der Sicht des Benutzers die typischen Probleme eines Suchvorgangs, und versucht darauf zu antworten, wie man diese Fehler durch optimale Benutzeroberflächen beseitigen könnte. Er fasst die Merkmale der Suchfunktionen (Browsen, einfache und erweiterte Suche) zusammen, stellt die Probleme der Schlagwortsuche vor, behandelt die Frage des Anzeigeformats der Suchergebnisse, und zeigt Beispiele mit Hilfe von Bildschirm-Illustrationen auf.

Die allgemeine Schlagwortliste MÁTRIKSZ. Ein neues Kapitel in der inhaltlichen Suche

BÁNKI Zsolt

In einer Sitzung der Vertreter des Kultusministeriums (NKÖM), der MOKKA (Magyar Országos Közös Katalógus = Ungarische Verbundkatalogisierung) und der Nationalbibliothek tauchte die Idee der Aufstellung einer Fackommission in Frühling 2001 mit dem Ziel auf, die Möglichkeit der Herstellung eines gemeinsamen Systems für Schlagwortsuche zu untersuchen, das als eine zentrale Dienstleistung funktionieren könnte. Das Konzept der entstandenen Schlagwort-Kommission enthielt einen Vorschlag für die Stichwortsuche. Die Mitglieder der Kommission gründeten im Interesse der Verwirklichung dieses Konzeptes ein Konsortium, und bewarben sich bei der Regierungskomissariat für die Informationsgesellschaft des Büros des Ministerpräsidenten um finanzielle Mittel. Ihre Konzeption beinhaltete die Erarbeitung einer allgemeinen Schlagwortliste, die aus einem System von Teil-Schlagwortlisten besteht, in dem eine der Listen zwar „dominierend” ist, aber aus der Sicht der Nutzung alle Teillisten gleichrangig sind, und durch eine entsprechende Benutzeroberfläche die bibliographischen Dateien der teilnehmenden Bibliotheken abgefragt werden können. MÁTRIKSZ ist also eine gemeinsame Schlagwortliste der teilnehmenden Bibliotheken, und stellt eine selbständige Schlagwortdatei dar, die von den jeweiligen Dateien der Teilnehmer unabhängig ist. Der Autor stellt die Art und Weise der Suche und die Benutzung der primären Liste vor.

Am Anfang befanden sich folgende Schlagwortsysteme in MÁTRIKSZ: das Thesaurus von der Széchényi-Nationalbibliothek (Köztaurusz), das Schlagwortsystem der UB Debrecen (eine Adaptation von Library of Congress Subject Heading), das traditionelle Schlagwortsystem der UB Szeged und ein Index der UDK. Die Studie befasst sich auch mit der Relation der Schlagwortlisten zur UDK, beschreibt die angewandte Benutzersoftware, die Suchoberfläche und die technischen Hintergründe. Die Termini der Schlagwortliste können in einem HunMARC/USMARC Datenaustauschformat exportiert und importiert werden. Die gemeinsame Datei wird schon in April 2002 mit etwa 113.000 Schlagworten funktionieren. Im weiteren kann diese Arbeit durch Vereinheitlichung und Erweiterung der Software-Dienstleistungen usw. noch gefördert werden.

Die Metamorphosen des Buches (Les métamorphoses du livre)

CHARTIER, Roger (Übers.: Anikó ÁDÁM)

Ein philosophisches Essay über das Verhältnis von Buch und Informationswissenschaft – ausgehend von der Soziologie der Lesegewohnheiten, von den ökonomischen Fragen des Verlagswesens und der Geschichte der Schriftgut und des Buches.

Neue Kämpfe auf dem Zeitschriftenmarkt. Die letzte Schlacht oder ein Stellungskrieg?

KOLTAY Tibor
Die Mitglieder der SPARC ( = Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition), Universitäten und Forschungsinstituten, entschieden sich, jährlich die von SPARC unterstützten Publikationen im Wert von 7500 USD zu kaufen. Durch elektronisches Publizieren sind die Kosten bedeutend zu mindern, obwohl die Forscher darauf bestehen, ihre Aufsätze durch Referatedienste erhalten zu können. PloS (public Library of Science) strebt sich an, dass die wissenschaftlichen Verlage schon nach sechs Monaten in öffentlichen Archiven die Texte der Zeitschriftenbeiträge unterbringen sollen, übrigens würden die Forscher diese Zeitschriften dann boykottieren. Nach einem anderen Vorschlag sollten die Autoren selbst ihre lektorierten („peer-reviewed”) Studien archivieren. Die Bibliotheken könnten den Universitäten und Hochschulen dabei helfen, die Praxis des Zeitschriften-Publizierens zu ändern, wenn die Bibliotheken die alternativen Publikationsmöglichkeiten unterstützen würden.

Digitaler Auskunftdienst in den USA

BÁNHEGYI Zsolt

Mit dem Internet sind die Arbeitsmittel des Auskunftdienstes der Bibliotheken reicher geworden. Über die verschiedenen Tätigkeitsformen des digitalen Auskunftdienstes in den USA /(zB. asynchrone (E-Mail), synchrone (Chat), kontrollierte (virtuelle) Reference, und über IP geführtes (direktes) Streaming-Videogespräch zwischen Bibliothekar und Leser)/ bekommen wir eine Übersicht auf Grund der Web-Site Teaching Librarian.

10 Ursachen dafür, warum das Internet die Bibliotheken nicht ersetzen kann

HERRING, Mark Y.

Bibliotheken aus einer europäischen Perspektive.  Die Rolle und Tätigkeit von EBLIDA

HACKETT, Teresa