Der Thesaurus der ungarischen Nationalbibliothek und der Gemeinthesaurus “KÖZTAURUSZ”

UNGVÁRY Rudolf

Der Gedanke eines allgeimenen Thesaurus wurde schon in den achtziger Jahren aufgeworfen. Seine Fertigstellung Ende 2000 ist dem Zusammentreffen mehrerer Umstände zu verdanken: in den vergangenen Jahrzehnten wurden in Ungarn mehr als 50 Thesauri ertellt und ein Teil von ihnen befindet sich auf Magneträgern; ein benutzerfreundliches Programsystem für die Redaktionsarbeit stand zur Verfügung; einige öffentliche Bibliotheken lieferten bei der Strukturierung des lexikalischen Bestandes und Adaption der Benutzerhandbücher Hilfe. Eingehend werden die Phasen der Aufbauarbeit, die Struktur des Thesaurus erörtert; durch Beispiele wird der durch das Thesaurusredigiersystem erstellte Export in HUNMARC-Austauschformat illustriert. Der Thesaurus wird in mehreren öffentlichen Bibliotheken und in der Nationalbibliothek verwendet; es ist zu erwarten, dass er auch bei anderen Institutionen in kleinerem oder grösserem Mass nutzbar gemacht werden kann.

Ein integriertes Modell des Referierens   

KOLTAY Tibor

Nach der Übersicht einiger graphischen Modelle wurde ein neues Modell des Referierens erarbeitet. Dieses integrierte Modell benutzt die Elemente von zahlreichen früheren Modellen, vor allem geht aber aus dem Modell von Endres-Niggemeyer aus, welches das Referieren als Modell der beschreibenden Schreibtätigkeit behandelt. Das geschaffene neue Modell besteht aus mehreren Teilmodellen. Das Makromodell stellt die Vorgänge etwa aus der Vogelperspektive und relativ schematisch vor. Es umfasst die Schaffung (Erschliessung), Umgestaltung und Überprüfung des Inhaltes des Referats, also die Phasen des Referierens, den Referenten selbst, das primäre Dokument und den bis dann geschaffene Text des Referats. In diesem Modell erscheinen die kognitiven Tätigkeiten des Referenten im Rahmen der Monitoring. Das erste Mikromodell stellt die Sprachkenntnisse und nichtsprachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten des Referenten dar. Im zweiten Mikromodell figurieren die Phasen der Schaffung des Inhalts: die Planung, das Lesen, das Textverständnis, die Verwendung der zum Textverständnis notwendigen Mikroregeln, und die Markierung der für wichtig gehaltenen Teilen mit Unterstreichung. Das nächste Mikromodell stellt die Umgestaltungsphase dar, d.h. die schematische Abfassung, die Redigierung und die endgültige Abfassung. Der Verfasser beschreibt die sogenannte, von Endres-Niggemeyer zusammengestellte, sehr nützliche “intellektuelle Werkzeugkasten-strategie”, die in Ablaufsmodellen nicht geschildert werden kann. Das schliesst jedoch nicht aus, dass die beiden Annäherungen einander ergänzen.

Die Klagen eines armen elektronischen Bibliothekars

DRÓTOS László

Die Lage der elektronischen Dokumenten kann als chaotisch charakterisiert werden (z.B. sich verwirrende HTML-Verwendungen, zu langsame Verbreitung der XML, die Erscheinung inkompatibiler e-Bücher, die Buch- und Zeitschriftverlage publizieren im PDF, für Textschreibung ist das Word am populärsten usw.). Um die Situation in Ordnung zu bringen, ist es überdenkenswert, wie ein idealer elektronischer Text sein soll. Nach der Meinung des Autors soll er stöbernbar, durchlaufbar, ersuchbar, konvertierbar, korrigierbar, anmerkbar, kopierbar, zitierbar, druckbar, beziehbar, identifizierbar, tragbar, besitzbar und übersendbar sein. Vorläufig gibt es keine Norm, die alle diese Kriterien gleichzeitig widerspiegeln könnte. Deshalb soll man in dem heutigen Gebrauch mehrere Formate benutzen, und immer dasjenige auswählen, das für das gegebene Ziel oder Gebrauch am besten geeignet ist. Die zweite Hälfte des Beitrags zählt die typischen Probleme auf, die während der Anwendung der oft gebrauchten Formate (Word, RTF, SGML,XML, PDF, Desktop Publishing Softwares, e-book Normen) auftauchen. Es ist der Absicht der Ungarischen Elektronischen Bibliothek (MEK), von allen Dokumenten sowohl eine on-line stöbernbare (HTML, XML, PDF), als auch eine gepackte, herunterladbare Version zur Verfügung zu stellen, und wo es notwendig ist, zusätzlich auch eine SGML/XML Kodierung vorzusehen.

Digitalisierung der Bilder an der Jahrtausendwende  

PUSKÁS Nikolett – HEGYI Ádám

Digitalisierung ist einer der Wege der Erhaltung von bildlichen Dokumenten. Der Beitrag gibt eine Übersicht über die Anwendung und den Nutzen der Digitalisierung in Bibliotheken, sowie über die praktischen Probleme der digitalen Technologie aufgrund der Vorträge einer Konferenz. Er veröffentlicht die von den Vortragenden vorbereiteten Zusammenfassungen in thematischen Gruppen. Zuerst werden die Berichte über die Digitalisierungsvorgänge, die am nächsten zu der Tätigkeit der Bibliotheken fallen, mitgeteilt, dann folgen die Zusammenfassungen mit den Auszügen aus den gehaltenen Vorträgen über die Gegenwart und die nahe Zukunft der Digitalisierung.

Soziale Bibliotheksarbeit in Ungarn

KÖVESHÁZI MUNTYÁN Alexandra

Seit der Zeit ihrer Errichtung gelten Öffentliche Bibliotheken für demokratische Einrichtungen, die auch für die Behinderten sorgen. Die Periode seit der Wende ist durch Veränderungen gekennzeichnet. Infolge der grundsätzlich veränderten wirtschaflichen und politischen Umständen sind neue Formen der gesellschaftlichen Behinderungen aufgetreten: Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Armut und Devianz. Alle Behindertengruppen lassen sich in den Bibliotheken sehen. Der Artikel befasst sich vorwiegend mit solchen Gruppen, die nach der Wende in die Peripherie geraten sind. Die Bibliotheksversorgung dieser besonderen Benutzergruppen findet im Bibliotheksbereich zu wenig Beachtung. Die Autorin sucht aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen und Interviews die Antwort auf die Frage, was im Praxis die soziale Bibliotheksarbeit bedeutet, und welche Mittel und Methoden die Bibliotheken anwenden sollen, um den Behindertengruppen helfen zu können.

GOLDBERGA, Anita: Die Nationalbibliographie im Lettland: Tradition und Veränderungen (Übersetzt von Murányi Péter)

Die gedruckte Lettische Nationalbibliographie bearbeitet die ganze Periode seit 1525, seit der Erscheinung des ersten Buches auf lettischer Sprache bis zur Gegenwart. Sie stellt auch alle Materialien der Periodika analytisch seit Mitte des 18-ten Jahrunderts zur Verfügung. Das bibliographische Institut der Lettischen Nationalbibliothek ist das Zentrum der lettischen Nationalbibliographie. Dort wird die monatlich erscheinende Druckausgabe der Nationalbibliographie (Latvias Preses Hronika) zusammengestellt, und seit 1996 auch eine Datenbank aufgebaut, die gegenwärtig etwa 600 000 Eintragungen (Rekorde) im MARC-Format enthält. Das bibliographische Institut führt eine enge Zusammenarbeit mit den Bibliotheken der Regionen, Siedlungen und verschiedenen Institutionen. Ziel des Retrokonversionsprogramms ist es, durch Konvertierung der gedruckten Indexen der Nationalbibliographie ab Mitte des 18-ten Jahrhunderts bis zu 2000 zu MARC-Format eine nationale kulturelle Datenbank aufzustellen.

MURÁNYI Péter: Kleine lettisch-ungarische Komparatistik. Vergleich der Nationalbibliographien (hauptsächlich der Erschliessung der Artikel)

In dem Beitrag wird nach der allgemeinen Vorstellung der lettischen Nationalbibliographie in erster Linie die Bearbeitung der Artikel untersucht, und zwar das Repertorium der periodischen Veröffentlichungen der Ungarischen Nationalbibliographie (MNB IKR) wird mit dem entsprechenden Teil der lettischen Nationalbibliographie verglichen. Die einzeilnen Hefte der lettischen Artikelbibliographie enthalten das Material von allen Fachbereichen (die Kritiken über Theateraufführungen, Filmkritiken und die in den Periodika erschienenen Belletristik inbegriffen). Das Material wird nach ungefähr drei Monate registriert. MNB IKR (woraus das Material der Hauptabteilung Nr 6 ausbleibt) bearbeitet ihr Material mit viel längerer Verspätung. (Ein ähnlicher Unterschied ist auch im Tempo der Verarbeitung der Bücher auszuweisen.) Das lettische Artikelmaterial ist in einer einzigen Datenbank zu suchen, und die Zahl der Eintragungen beträgt jährlich 110 000, d.h. ungefähr dreifach so viel, als die Eintragungen in der gedruckten Bibliographie. Die gesamte ungarische Produktion (jährlich 10 000 Eintragungen des MNB IKR, plus die drei Bibliographien der angewandten Wissenschaften – die Ungarische Medizinische Bibliographie, die Ungarische Landwirtschafliche Bibliographie, Artikel über Technik in den Ungarischen Periodischen Veröffentlichungen) und die gesellschaftwissenschaftlichen Datenbanken als Ganzes genommen übertrifft diese Zahl, aber wegen der abweichenden Bearbeitungsweise können sie gar nicht in eine gemeinsame Datenbank hineingetragen werden.

HAJDU Katalin: Bericht über die Winterkonferenz des ALA. Teil 1.

Die Verfasserin berichtet über die Winterkonferenz des Amerikanischen Bibliotheksvereins ALA, welche im Januar stattfindet (sog. Midwinter Meeting). Sie hebt die Fragen des Copyright der digitalen Dokumenten hervor, d.h. die Gefechte um UCITA (Uniform Computer Transactions Act, das föderale Gesetz über elektronische Kommunikation). UCITA vorbereitet sich nämlich zur Beschränkung der Geschäftstransaktionen von Software, Datenbanken und digitalen Informationsträgern. Das andere hervorgehobene Diskussionsthema bezieht sich auf die Beschränkung des Gebrauches von Internet, d.h. darauf, ob die Verwendung von Filtern der Konstitution entspricht oder nicht.

BULANIN, Dimitri: Buchkultur in Rußland von Heute – mit den Augen eines wissenschaftlichen Verlegers (Übersetzt von Futala Tibor)

Das ist ein Überblick über die Lage der russischen Buchkultur mit den Augen des Leiters des Bulanin-Verlages in Sankt-Petersburg. Dieser wissenschaftliche Buchverlag humanistischen Profils wurde im Jahre 1992 gegründet. Der Buchmarkt in Rußland verengert sich von Jahr zu Jahr. Der Preis der Bücher ist relativ niedrig, aber enorme Bestände sind noch aus der vorigen Periode unverkauft geblieben. Russischer Kitsch (Kriminalromane, weibliche Romane, Comics) ist erschienen und gewinnt ständig an Popularität, woran das ungesättigte Interesse der Leser nicht befriedigt werden kann. Der Professionalismus der Verleger gehört zu der Vergangenheit, und das inhaltliche und formelle Niveau der Bücher ist dramatisch heruntergefallen. Es gibt auch Schwierigkeiten mit dem Vertrieb von Büchern. Wissenschaftliche und berufliche Bücher sind schwer zu verkaufen. Unter solchen Umständen versuchte auch der Bulanin-Verlag zu überleben, der in erster Linie sich auf humanistische Reihen, Monographien, wissenschaftliche Werke, Wörterbücher und Nachschlagewerke spezialisierte.