Auf den Wegen von Don Quijoten. Über den Beruf in drei Stimmen

HORVÁTH Tibor

Der Verfasser behandelt in Zusammenhang mit der Frage „Ist die Bibliothekswissenschaft eigentlich eine Wissenschaft?” in drei gedanklichen und stilistischen Annäherungen von Schrettinger bis Soergel das Thema, wie unser Fachgebiet den Kriterien der Wissenschaft entspricht. Popper meint, dass die Kenntnisse dadurch Wissenschaft werden, dass sie einen selbständigen Gegenstand, eigene Forschungsmethoden und festzustellende Gesetzmässigkeiten haben. Betrachtet man die bibliothekarischen Gesetze, betrifft das erste, das Verstreuungsgesetz von Bradford, den Inhalt von Dokumenten. Das Soergelsche Postulat ist ein allgemeingültiges Gesetz, das als Grund zum grössten Teil unseren Wissens und zu dessen Systematisierung dienen kann. Die Repräsentation, die das Dokument vertritt, soll dieselben konzeptuellen Beziehungen spiegeln, wie das originale Dokument. Dieser Transfer – Prozess wurde von Deschatelets für Gegenstand der Informationswissenschaft gehalten. Zum Gegenstand der Bibliotheksarbeit gehören deshalb: Inhalte, Wissen und Kenntnisse. Auch die fünf Gesetze von Ranganathan, überarbeitet von Gorman, haben Wissen und Gesellschaft zum Gegenstand. Die organisierte Speicherung von Dokumenten ist eine Voraussetzung der Bibliotheksarbeit, das Wesentliche ist aber die Vermittlung vom Text unabhängig vom Kenntnisträger. Die Gesellschaft benötigt die Institutionen, die das Wissen erwerben, organisieren und mit ihm wirtschaften können, und diese Aufgabe soll von Bibliotheken auf hohem Niveau erfüllt werden. (S. 665 – 674)

Die Anwendung von Unicode in der bibliographischen Fremddatenübernahme

HORVÁTH Ádám  –  LAKATOSNÉ TAKÁCS Rita

Die grösseren Bibliotheken erwerben Dokumente aus vielen Ländern. Die Zeichensatztabellen von einem Byte können aber maximal 224 Schriftzeichen enthalten, und das ist für ein mehrsprachiges Milieu nicht genug. Für die Lösung der Codierung der Extra – Zeichensätze von mehr als einem Byte sind mehrere Methoden und Standards entwickelt worden, die aber nicht allgemein verbreitet sind, es wurden deshalb auch verschiedene Methoden und Standards in die SoftwareProdukte eingebaut. In einer Software ist die Eingabe, die Speicherung, die Anzeige, der Sortiervorgang der Zeichen (einschliesslich der Extra – Zeichen) mehr oder weniger gut gelöst. Das Problem taucht erst auf, wenn man Fremddaten

übernehmen will, und das andere System ganz anders die bestimmte Zeichen als das unsere codiert. Der Unicode speichert auf 16 Bit die Zeichen, so ist er für die Aufnahme von mehr als 65.000 Zeichen geeignet. Nach der erster Auflage (1991) folgenden Epoche, nach einer Verzögerung ist Unicode heutzutage in Vormarsch: immer mehrere Anwendersoftware (von Textverarbeitung bis WWW – Browsing) auf Unicode – Basis erscheinen auf der Markt. Obwohl es noch kein Betriebssytem gibt, das den Unicode vollkommen unterstützte, kann man in ihrer inneren Struktur die Unicode – Elemente erkennen. Wir kennen einige Bibliothekssoftware, die die Unicode – Anwendung bestreben. Andere sagen: es hat keinen Sinn, uns mit der Anwendung zu plagen, es sei die Aufgabe des Betriebssystems. Die Automation hat aber solche Gebiete, wo man Unicode ohne grosse Mühe mit Erfolg anwenden kann: typisch dafür ist die bibliographische Datenübernahme; über diese Möglichkeit berichtet der Beitrag. (S. 675 – 681)

Entwurf einer Historiographie der Versorgung durch Kleinbibliotheken

TÓTH Gyula

In Ungarn ist die Struktur der Siedlungen zersplittert und wird auf die quantitativen Indizen zu viel Wert gelegt. Als Ergebniss ist die Zahl der Bibliotheken disproportional zu gross (in 1957 18 Tausend, heute ca. 10 Tausend). Die meisten Bibliotheken in Kleinsiedlungen sind nicht geeignet, Dienstleistungen auf einem hohen Niveau zu gewähren. Die Entwicklung zeigt weltweit in die Richtung der Zentralisation. Die Kleinbibliotheken können ohne die Hilfe von einigen grossen Bibliotheken nicht existieren. Das grundsätzliche Problem der Versorgung durch Kleinbibliotheken hängt mit dem Bestand und der Organisation der Sammlung zusammen. Ziel ist es, dass die Kleinbibliotheken einen aktuellen Bestand mit ausreichendem Auswahl, zu nicht zu hohem Preis haben sollen. Die allgemeinbildenden Bibliotheken, die zur Zeit des Dualismus zustande gekommen sind, waren isolierte Kleinbibliotheken, die kein einheitliches System bildeten. Die örtlichen Behörden haben für den Erhalt und Entwicklung dieser Kleinbibliotheken nicht gerne Sorge getragen. Ervin Szabó und seine Nachfolger haben schon in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts auf die Zentralisation votiert, haben in Budapest eine Zentralbibliothek mit einer zentralen Auskunftssammlung und darauf beruhende Bezirksbibliotheken errichtet, den Ausbau von gleichem System auch in den Kleinsiedlungen vorgeschlagen.

Nach 1945 wurde es möglich, ein neues modernes Bibliothekssystem auszubauen. Nach 1952 ist zuerst das System der Komitats – , später der Bezirksdepotbibliotheken zustande gekommen. In den Kleinbibliotheken gab es neben dem Stammbestand einen Austauschbestand, der  –  im Prinzip  –  regelmässig erfrischt werden sollte. In den 60 – er Jahren machte das verlegende Buchmaterial Sorgen. Es wurde dann vorgeschlagen, die Bibliotheksversorgung von Kleinsiedlungen durch Fahrbibliotheken und die Formung von Bibliotheksregionen zu lösen. In der Verwirklichung dieser Idee hat sich immer eine Inkonsequenz gezeigt. Die Bezirksbibliotheken haben mit personellen und materiellen Sorgen gekämpft. Zur guten Funktionierung von Versorgungssystemen

hätten bei jedem möglichen Modell auch die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden sollen. Im Falle der Gewerkschaftsbibliotheken wurden die selbständigen Bibliotheken durch Integration verstärkt, für die kleineren ist die Depotversorgung bestehen geblieben. Die isoliert funktionierenden Schulbibliotheken haben sich mit den Allgemeinbibliotheken in sogenannte gemeinsam finanzierte Schulbibliotheken vereinigt, aber auch diese sind nicht allgemein geworden. (S. 682 – 704)

Die Vorbereitung der zukünftigen Lehrer auf die Informationserwerbung und  – benutzung oder Ist die Benutzerschulung die Aufgabe der Bibliothek?

TÓTHNÉ KIRÁLY Katalin  –  KOVÁCS Mária

Unter Benutzerschulung versteht man die Bekanntmachung der Benutzung von Büchern und Bibliotheken, die Aneignung der Technik der geistigen Arbeit, weiterhin die Auffindung, Auswahl, Evaluierung und Anwendung der zur Arbeit nötigen Dokumenten. Die Studie fasst die Tätigkeit der Bibliothek der Berzsenyi Dániel Pädagogischen Hochschule in Szombathely zusammen, beschreibend auch ihre Vorgeschichte, wozu auch die Debatten mit der Hochschulleitung hineingehören. Es wurde ein  –  zum Nationalen Grundlehrplan richtendes Programm in der Bibliothek ausgearbeitet, wie die Schulbibliothekare, die Lehrer – Bibliothekare und ComputertechnikLehrer auf den Informatik – Unterricht vorbereitet werden sollen, und welche Kenntnisse über die Bibliothek die Studenten mit anderen Fächern in der Lehrerausbildung aneignen sollen.

Das Programm plant (in zwei Variationen) ein 4 Semester langes postgraduelles Studium. Die Mitarbeiter des Programms haben es vor, klarzustellen, dass die Kenntnisse über Bibliotheksbenutzung den zukünftigen Lehrern in der Hochschulausbildung in zwei Phasen dargeboten werden sollen: zuerst in einer fundamentalen Form, später aber in Weiterbildungskursen. (S. 705 – 714)

Fragen der Weiterbildung der Bibliothekare

BÍRÓ Júlia

Die Entwicklung der Informationstechnologie und die gesellschaftlich – wirtschaftlichen Änderungen erfordern Kenntnisse der Berufe Informationsmanager, Informationsbroker oder Marketingsdirektor u.s.w. Die Fortbildungskursen ermöglichen den Bibliothekaren das Erlernen der neuen Fachkenntnisse, aber die verschiedenen Veranstaltungen und kürzere Kurse können die komplexe, theoretische und praktische Aneignung wichtiger Themenkreise nicht ersetzen. Bis das neue postgraduelle Ausbildungsystem der Bibliothekare zustandekommt, sollten die schon an auf anderen Gebieten schon bestehenden Ausbildungsformen ausgenutzt, bzw. mit diesen eine Kooperation ausgearbeitet werden. Eine gute Initiative stellte der Managementkurs der British Council dar, die in der Katona – József – Bibliothek Kecskemét organisiert wur

de. Der Verein Ungarischer Bibliothekare sollte eine Datenbank aufbauen, in der man Online – Informationen über die regelmässigen und eventuellen Ausbildungsformen und über die Bedingungen der Teilnahme finden könnte. (S. 715 – 723)

Die BLISS – Klassifikation

DOMSA Zsófia  –  KŐMŰVES Erika

Der Beitrag stellt das Bliss – Klassifikationssystem vor, das vor allem für Schulbibliotheken zusammengestellt worden ist. Die Verfasserinnen haben mit diesem Beitrag einen Preis für Wissenschaftliche Studentenzirkel an der Loránd Eötvös Universität gewonnen. Sie beschreiben die Grundprinzipien der Klassifikation, die Logik der Systematisierung von Wissenschaften, die Hauptklassen der Bibliographischen Klassifikation, die Dokumentengruppen, die Analyse der Wissenschaften nach vier Gesichtspunkten, die systematischen Tabellen, die mnemotechnischen Zeichen und die Methoden der Bezeichnung, sowie den Index, und werten das System aus. (S. 724 – 734)

Ausblick

Schwuchow, Werner: Die Rolle des Staates in der Informationsgesellschaft. Reflektionen zu verschiedenen Ansätzen nationaler Informationspolitiken heute.

(Zusammenf.: Katsányi Sándor)
(S. 735 – 738)

Courage, Anne – Marie: Elektronische Dienstleistungen in Osteuropa. Bestandsaufnahme und Analyse.

(Zusammenf.: Mohor Jenő)
(S. 739 – 742)

Veilucci, Sherry L.: Katzenhirten, oder die Optionen zur Organisation von elektronischen Quellen.

(Zusammenf.: Mándy Gábor)
(S. 743 – 746)

Fitzsimmons, Joseph J.: Dokumentenlieferung in den 90 – er Jahren und danach.

(Zusammenf.: Hegyközi Ilona)
(S. 747 – 752)

Buchbesprechungan

Santoro, Marco: Die Geschichte des italianischen Buches  –  kurz aber doch ausführlich.

(Rez.: Mohor Jenő)
(S. 753 – 755)

Németh Mária: Die Geschichte der Nationalbibliothek Széchényi 1919 – 1921.

(Rez.: Futala Tibor)
(S. 755 – 758)

Kovács Máté. (Ed. Suppné Tarnay Györgyi)

(Rez.: Tóth Gyula)
(S. 758 – 760)

CD-ROM – Besprechungen

Bánkeszi Lajosné: Ritterkönige von Ungarn (1301 – 1437)  –  der neuere Teil der historischen CD – Reihe

(S. 761 – 763)

Aus ausländischen Zeitschriften (Referate)

(S. 765 – 850)