Kurze Geschichte der ungarischen bibliothekarischen Fachpresse. Teil 1

POGÁNY György

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Geschichte der Fachpresse von 1876 (dem Erscheinungsjahr der Zeitschrift „Magyar Könyvszemle”) bis 1946, aus dem Gesichtspunkt des Bibliothekswesens und der Bibliothekspolitik. Es war charakteristisch für andere Länder, dass nach dem Erscheinen der ersten Fachzeitschrift der Bibliothekarverein gegründet, und danach mit der Ausbildung von Bibliothekaren begonnen wurde. Die erste ungarische bibliothekarische Fachzeitschrift erschien ungefähr zur gleichen Zeit als die ähnlichen Fachzeitschriften im Ausland. Das kennzeichnet das hohe Entwicklungsniveau des wissenschaftlichen Lebens und des Bibliothekswesens in Ungarn. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts begann die „Múzeumi és Könyvtári Értesitő”, später die „Könyvtári Szemle” zu erscheinen. Nach dem Krieg und den Revolutionen war die Lage weder für die Bibliothekszeitschriften, noch für das Bibliothekswesen günstig. Finanzielle Schwierigkeiten haben fortlaufend Probleme verursacht und zum Einstellen der Zeitschriften geführt. Zu den 30-er Jahren – nach einer vorübergehenden Pause konnte nur die „Magyar Könyvszemle” bestehenbleiben. József Fitz, der Generaldirektor der Széchényi Nationalbibliothek hat die Zeitschrift erneut, und ihre Angelegenheiten mit dem 1935 gegründeten Verein Ungarischer Bibliothekare und Archivare verbunden. Das traditionelle buch- und kulturgeschichtliche Profil der „Magyar Könyvszemle” wurde mit den folgenden Themen erweitert: Pressegeschichte, Dokumentation, Klassifikation, Katalogisierung, Volksbibliotheken, ortskundliche Sammlungen usw. Von 1937 begann eine erfolgreiche Periode für die Zeitschrift, das ungarische Bibliothekswesen wurde nämlich übersichtlich, einige wichtige Institutionen wurden gegründet. In den Jahren 1944-45 konnte die Zeitschrift noch erscheinen, aber von 1947 haben die politischen Veränderungen und die Geldknappheit die Aussichten ihres Bestehenbleibens weiter verschlechtert. Nach der Verkümmerung der „Magyar Könyvszemle” blieb das ungarische Bibliothekswesen für einige Jahre ohne Fachpresse.

(S. 585-596)

 
Das englischsprachige Referateblatt des ungarischen Bibliothekswesens ist 25 Jahre alt

FEIMER Ágnes – RÁCZ Ágnes

Bibliothekswissenschaftliche Dokumentation – aufgrund der Sammlung der Fachbibliothek für Bibliothekswissenschaft war eine der wichtigsten Aufgaben der 1959 gegründeten Zentralstelle für Bibliothekswissenschaft und Methodik in Ungarn. Zu Beginn der 70-er Jahre hat sich das dreistufige System der Information zur bibliothekswissenschaftlichen Fachliteratur entfaltelt: 1. die ungarische Literatur zur Bibliothekswissenschaft wird völlig nachgewiesen („A Magyar Könyvtári Szakirodalom Bibliográfiája”), 2. eine Auswahl der Beiträge der ausländischen Zeitschriften wird referiert (früher im Referateblatt „Könyvtári és Dokumentációs Szakirodalom’°, heute: im Teil „Aus ausländischen Zeitschriften” der Zeitschrift „Könyvtári Figyelő”), 3. auch die ausländischen Kollegen bekommen Auskunft über das ungarische Bibliothekswesen. In den 60-er Jahren wurden die Titel in der ungarischen Fachbibliographie („Gyorstájékoztató a magyar könyvtári szakirodalomról”) ins Englische, Deutsche und Russische übersetzt und in diesen Fremdsprachen annotiert. Später wurden für diese Zwecke mehr ausführliche, die speziellen Züge des ungarischen Bibliothekswesens beleuchtende inhaltliche Auszüge zusammengestellt. im Jahre 1972, als in Ungarn viele internationale Fachkonferenzen gab (IFLAKonferenz, FID-Kongress, ungarisch-sowietisches Seminar), hat die Zentralstelle mit der Herausgabe eines Referateblattes unter dem Titel „Hungarian Library and Information Science Abstracts” (HLISA) begonnen, um die ausländischen Kollegen über die ungarischen Ergebnisse zu informieren. In den vergangenen 25 Jahren hat die Zeitschrift 2637 Referate veröffentlicht, über etwa 10°~6 der in Ungarn veröffentlichten Bücher und Zeitschriftenartikel zum Thema Bibliotheken, Dokumentation und Information. Pro Jahr enthält das Referateblatt etwa 100-120 Referate von Monographien und Zeitschriftenartikeln. Neben den Referaten finden die Leser

Schlagwörter für ihre Orientierung, und einmal im Jahr wird ein alphabetisches und Sachregister veröffentlicht. Von 1990 wird das Blatt computergestützt editiert. Das Referateblatt ist ein wertvolles Tauschmaterial in der Erwerbung der Fachbibliothek, es wird an 220 Tauschpartner in 53 Ländern zugeschickt. HLISA unterstützt mit Informationen auch die ausländischen Kollegen, die die Nationalbibliothek besuchen.

(S. 597-603)

 
Ungarische bibliothekswissenschaftliche Zeitschriften in den Datenbanken zu Bibliotheks- und Informationswissenschaft

MURÁNYI Péter

Der Verfasser hat es untersucht, wie oft die Artikel von den zwei zentralen ungarischen bibliothekswissenschaftlichen Fachzeitschriften, „Tudományos és Műszaki Tájékoztatás” (TMT) und „Könyvtári Figyelő” (KF) in den Datenbanken ISA (Information Science Abstracts) and LISA (Library and Information Science Abstracts) vorkommen. ISA hat in den 70-er Jahren die englischsprachigen Zusammenfassungen dieser Zeitschriften regelmässig übernommen. Von 1979 an enthält sie keine Artikel aus KF, von 1989 an keine Artikel aus TMT, sogar gar keine ungarischsprachige Artikel. Diese Zeitschrif ten figurieren aber öfter in LISA. In den 90-er Jahren hat LISA 1545 ungarische Einträge veröffentlicht, davon 604 stammen aus TMT, 533 aus KF, die anderen aus anderen Quellen. In den 80-er Jahren haben die Redakteure die auch international interessanten Themen bevorzugt (Informationswissenschaft, Automatisierung, Management), während in den 90-er Jahren haben sie die inhaltlichen Zusammenfassungen praktisch aller wichtigster Beiträge übernommen.

(S. 604-610)

 
Möglichkeiten der Organisationsentwicklung in den ungarischen Komitatsbibliotheken

BARLAI Róbert – CSAPÓ Edit

Das System der Öffentlichen Bibliotheken in Ungarn verfolgt auch heute das Schema der 50-er Jahre. Für ihre Leitung sind eine einzige Person, ihr Stellvertreter und ein Wirtschaftsfachmann verantwortlich. In der auf die Initiative der Zentralstelle für Bibliotheks- und Informationswissenschaft eingeführten integrierten Organisation wurden die mehr anspruchsvollen Arbeiten simultan, durch qualifizierte Mitarbeiter verrichtet. Da höhere Löhne nur für die leitenden Mitarbeiter bezahlt werden konnten, wurde die Organisation auf Gruppen mit Gruppenleiter weiteraufgeteilt. Am Anfang haben diese Einheiten weniger als 10% der Organisation ausgemacht, heute aber schon etwa 30%. Nach dem Erscheinen der Marktwirtschaft wurde es unvermeidbar, die bestehenden Strukturen aufgrund Wirtschaftlichkeit und Effizienz zu revidieren. Die Verfasser haben Untersuchungen mit Methoden der Organisationsentwicklung durchgeführt, und in fünf Komitatsbibliotheken die verborgenen menschlichen Beziehungen, die Innovationsfähigkeit der Organisation, die Mobilität der Mitarbeiter, die Arbeit der Management ausgewertet. Mit dem FIRO-B Test haben sie auch die Konflikte in der Organisation analysiert, und in kleinen Gruppen auchüber die Faktoren Fragen gestellt, die die Effizienz der Arbeit vermindern. Reforme wurden in keiner Bibliothek von den Mitarbeitern oder den mittleren Leitern initüert, die höheren Leiter haben Veränderungen nur als Ausnahme eingeführt. Die Untersuchung hat festgestellt, dass die Leiter die modemen leitungstheoretischen Kenntnisse nicht in Anspruch nehmen, und dass die Machtverteilung formell ist. Die Entwicklung der Organisationsstrategie gehört zu den Aufgaben des höheren Leiters, der neben den auswärtigen Beziehungen auch für die interne, berufliche Operation Verantwortung trägt.

(S. 611-622)

 
Strategischer Plan der Universitätsbibliothek zu Pécs

SONNEVEND Péter

Einige statistische Daten aus der Universität zu Pécs: in zehn Jahren hat sich die Zahl der Studenten 1,5-fach vergrössert, die Zahl der Bibliothekare in der Universitätsbibliothek um 15-20% vermindert, und das Erwerbungsetat der Zentralbibliothek ist zur Hälfte zurückgefallen. In dieser Lage ist es wichtig, die Ziele wiederzuformulieren. Die Universität zu Pécs bestrebt sich, zu den ersten drei Universitäten des Landes zu gehören. Dazu ist auch die Erhöhung des Niveaus der Universitätsbibliothek notwendig. Die Bibliothek benötigt ein modernes, integriertes EDV-System, um den Aufgaben der grössten bibliothekarischen Sammiung in Transdanubien gerecht werden zu können. Die Gestaltung einer gesamtuniversitären Speicherbibliothek würde die Buchversorgung der Fakultäten wesentlich verbessern. Die Bibliothek funktioniert zergliedert, aus ihren sechs Einheiten wird selbständige Katalogisierung und Sacherschliessung an vier Stellen geführt. Es wäre wichtig, die retrospektive Katalogisierung zu beschleunigen, das Computernetz zu erweitern, mit der beruflichen Aus- und Weiterbildung sogar an Ort und Stelle zu beginnen. Ausländische Beispiele und Beziehungen helfen viel in den Entwicklungen, aber ohne finanzielle Unterstützung bleiben alle Pläne nur Illusionen.

(S. 623-629)

 
Ungarische Bibliotheken in der Welt der Elektronisierung und der Netze

KOKAS Károly

Der Beitrag skizziert die Entwicklungsmöglichkeiten aus der Lage der Computerisierung von ungarischen Bibliotheken herausgehend, und erwähnt auch die Probleme der Automatisierung. In den letzten 4-5 Jahren erschienen in Ungarn die integrierten Systeme, die sich am internationalen Markt schon einen Namen geschaffen haben. Mit der Unterstützung des Nationalen Programms für die Entwicklung der Informationsinfrastruktur haben sich die Grundlagen der Automatisierung weiter verbessert. Die neuralgischen Punkte sind die folgenden: vor der Automatisierung soll die interne Struktur der Bibliothek überdacht werden, und der Kauf von Hardware und Software soll anders als früher vorbereitet werden. Die integrierten Systeme sollen sich auch an die Netzstruktur ihrer weiteren Umgebung anpassen. Die Zusammenarbeit kann als verteilte Katalogisierung oder zentrale Rekordversorgung erfolgen. Mit dem jetzt entwickelten nationalen Zentralkatalog „KözEIKat” können zur Zeit die Voyager-Kataloge abgefragt werden. Es wäre notwendig, ein nationales CD-ROM-Netz zu gestalten. Die Ungarische Elektronische Bibliothek arbeitet schon, Internet-Benutzung ist weit verbreitet, aber Bibliothekare sollten der Ungarischen Homepage mehr Unterstützung gewähren. Die einzelnen Bibliotheken haben bedeutende Entwicklungen im Netzausbau und im Anschluss an internationale Systeme durchgeführt. Aus den lokalen Systemen sollte man aber bald ein nationales Informationssystem ausbilden.

(S. 630-636)

 
Gutenberg auf der Datenautobahn

M. FÜLÖP Géza

Wenn man im Zeitalter der elektronischen Datenspeicherung über die Zukunft der Bücher und der Bsbliothek nachdenkt, kann man behaupten, dass sich das Schicksal der einzelnen, papierbasierten, gedruckten Informationsträger verschieden gestalten wird. Ein sich vergrössernder Anteil der naturwis-  senschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Informationen erscheint in digitalisierter Form, aber im Falle der Sozialwissenschaften und Belletristik ist es schwer, uns vorzustellen, dass jemand philosophische Werke oder Shakespeare auf CD-ROM lesen sollte. Wo sich die digitalisierte Form beweist, dort wird sie an die Stelle ihres gedruckten Vorgängers treten. Sorgen wird aber nicht das verursachen, sondern die Verbreitung des Analphabetentums, der in den entwickelten Länder schon charakteristisch ist. Um so mehr visuelie Einflüsse (Fernsehen, Udeo, Computer) die jungen Leute bekommen, desto weniger werden sie lesen. Dadurch wird für sie das Lesen noch schwerer werden, und sie werden noch mehr visuelle Reize brauchen. Bibliothekare werden immer benötigt werden, weil sie sich in der enormen Menge der computerisierten Informationen orientieren und diese systematisieren können.

(S. 637-642)

 
Anmerkungen zum Beitrag von Miklós Bényei in der vorherigen Nummer der Zeitschrift

HERMAN Ákos

(S. 643-645)

 
Ausblick
BORGMAN, Christine: Will the global information infrastructure be the library of the future? Central and Eastern Europe as a case example. (Wird die globale Informationsinfrastruktur als die Bibliothek der Zukunft dienen? Der Fall von Mittel- und Osteuropa als Beispiel

(Übers.: Hegyközi Ilona)

(S. 647-656)

 

HORCHLER, Gabor: Reorganization of cataloging at the Library of Congress and the work of the Hungarian Swat team. (Die Reorganisation von Katalogisierung in der Kongressbibliothek und die Arbeit des ungarischen „Katalogisierungskommandos”. )

(Übers.: Mándy Gábor)

(S. 657-662)

 

DEBRECZENI Zsuzsa: Das New Yorker Bibliotheksservice für Information und Forschung (METRO)

(S. 663-665)

 

KOLTAY Tibor: Die Funktionen der Nationalbibliothek und die Universitätsbibliotheken in Dänemark. Erfahrungen einer Studienreise

(S. 666-669)

 

BÁNKESZI Lajosné: Donatoren im digitalen Zeitalter

(S. 670-671)

 

 
Buchbesprechungen
Richtlinien zur rechtlichen Regelung der Dienstleistungen der Nationalbibliothek.
LOR, Peter Johan: Guidelines for legislation for national library services. Provisional version.

(Rez.: Tóth Erzsébet)

(S. 673-674)

 

Mit kritischen Augen über Kinderbücher. Evaluating children’s books: A critical look. Aesthetic, social and political aspects of analysing and using children’s books. Ed. Betsy Heame, Roger Sutton.

(Rez.: Kovács Katalin)

(S. 675-677)

 

Bücher und ihre Interpretationen. KAMARÁS István: Olvasatok.

(Rez.: W. Péterfi Rita)

(S. 677-678)

 

 Auswahl aus den ausländischen Neuerwerbungen der Fachbibliothek für Bibliothekswissenschaft

(S. 679-683)

 

 Aus ausländischen Zeitschriften (Referate)

(S. 685-767)